StartseiteChronik Sassenroth

Ob einst Sassen den Ort gerodet haben?
Beginnen möchte ich diesen Bericht über Sassenroth mit dem Gedichtanfang des verstorbenen Peter Düber der folgendes reimte:

Da wo die Heller wie ein Silberband das Tal durchfließt,
wo vom Felsen ein Kreuz und Kapellchen grüßt,
wo unter der Linde so manches Lied ertönt,
und die Berge rings um waldgekrönt,
wo der Landmann ringt auf kargen Boden um sein Brot,
liegt unser Heimatdörfchen Sassenroth.


Über die Anfänge unseres Ortes, ist ähnlich wie über alle anderen benachbarten Ortschaften wenig bekannt. Auch über die Herkunft des Ortsnamens bestehen unterschiedliche Ansichten. Der Verfasser des Betzdorfer Heimatbuches, Dr. August Wolf, ist der Meinung, daß hier einige, ursprünglich Leibeigene, ansässig geworden wären. Diese Freigelassenen wurden auch Sassen genannt und die Endung "roth" soll, ebenfalls wie bei Wallmenroth und Elkenroth darauf hindeuten, daß die Sassen hier einmal unbebautes Land gerodet haben.
Andere wieder neigen zu der Annahme, daß zur Zeit Karls des Großen den unterworfenen Sachsen, hier an der Heller, im damaligen Königreich Franken, ein Waldstück zum Roden zugewiesen worden sei und das die Siedlung ursprünglich vielleicht Sachsenroth geheißen habe.
Aufgrund von Funden in der "Hohlbach", "Am Wasserberg", "Hunschenbach" und bei der "Peterszeche", kann man mit Sicherheit behaupten daß mindestens um 300 v. Chr. in der näheren Umgebung des heutigen Sassenroth Menschen gelebt und gearbeitet haben. Mehrer in der Gemarkung Sassenroth gefundene Steinbeile und Werkzeuge z.B. im Jungfernwald und im Kreiswald beweisen, daß sogar schon um 800 v. Chr. Menschen in dieser Gegend gewesen sind.
Urkundlich erwähnt wird unser Ort erstmals im Jahre 1261 wo berichtet wird, daß sich in Sassenroth ein steinernes Haus befinde. Man darf annehmen da damals nur Fachwerkhäuser errichtet wurden, daß es sich um eine burgähnliche Anlage gehandelt haben muß.
Bis zum heutigen Tage ist es ein Rätsel, wo das steinere Haus, daß immer wieder in späteren Urkunden erwähnt wird, gestanden hat. Aus Urkunden von 1261 geht hervor, daß der Graf von Molzberg, der um diese Zeit Gerichtsherr über den Freien Grund war, dem Herrn Gerhard von Sassenroth das Recht verliehen hat, über seine Untergebenen selbst Recht zu sprechen.
Demnach hat auch Sassenroth zumindest bis um diese Zeit zum Freien Grund gehört. Die Herrn von Sassenroth führten in Ihrem Wappen einen Schrägbalken, auch "Schragen" genannt. 1265 werden "die von Sassenroth" mindestens bis um 1350 der Ganerbengemeinschaft der Seelbacher angehört haben.
Mehrer Hinweise, besonders die verwandtschaftlichen Verhältnisse zu den Herrn von Bicken, welche ebenfalls der großen Sippe der Seelbacher angehörten, deuten darauf hin.
Das Siegel von Sassenroth ist heute noch auf Urkunden vom 01. August 1392 im hessischen Staatsarchiv, Wiesbaden zu sehen.
Haus und Hof zu Sassenroth ziehen sich wie ein roter Faden durch die Jahrhunderte der Gesichte unseres Ortes.
Dieser Vermutung wurde bis Ende 2008 nachgegangen.

Bedanken möchte ich mich jetzt bei dem Heimatforscher"Gerhard Beck" der uns folgendes Material zur Verfügung gestellt hat.

SASSENROTH

Die Geschichte eines Ortes, oder- warum Heimatfreunde nie das „steinerne Haus“ fanden

Die bisherigen Niederschriften von Wolf und Kipping über die geschichtliche Entwicklung des Ortes Sassenroth basieren auf der Auswertung von gerade einmal 3-4 alten Urkunden, die im Landesarchiv Koblenz lagern.
Alle weitergehenden Informationen die aus „archivarischen Aufzeichnungen“ stammen sollen und publiziert wurden, geben nur die subjektive Interpretation des jeweiligen Autors wider, ohne exakte Quellenangabe und somit auch ohne Anspruch auf Richtigkeit.
Tatsächlich lagern in den Archiven von Koblenz, Wiesbaden, Köln und Wetzlar fast 50
Urkunden mit einem Gesamtvolumen von über 500 DIN-A4 Seiten.
Die meisten Dokumente wurden zwischenzeitlich ausgewertet und die tatsächliche Geschichte Sassenroths stellt sich zum Teil etwas anders dar als bisher angenommen.

Fest steht, dass die Geschichte offiziell beginnt im November des Jahres 1261, als Gerhard von Sassenroth, neben Hyllo von Langenbach und Anselm von Mauden, als Vogt mit der hohen Gerichtsbarkeit im Kirchspiel Kirburg betraut wurde.
Diese Verleihung ist umso bemerkenswerter, da dieses Richteramt normalerweise nur den höchsten Adelsfamilien vorbehalten war. Die Hintergründe und geschichtlichen Zusammenhänge werden in einer separaten Abhandlung später niedergeschrieben und erläutert.
Im Jahre 1332 finden wir erstmals das Sassenrother Wappen in einer Urkunde in der Johann von Sassenroth, zusammen mit einem Teil der „Selbacher“ Ganerben, einen Friedensvertrag mit der Stadt Wetzlar schließt.
Dieses Wappen zeigt ein schräggestelltes Kreuz, einen sogenannten „Schragen“.

Sassenroth war von altersher im Besitz der Herrschaft „Lichtenstein“, wie eine weitere Urkunde aus dem Jahre 1367 bestätigt. Zusammen mit der Königsmauer von Herdorf gehörte man zum Kirchspiel Daaden.

Die Lichtensteiner lebten in einer Ganerbengemeinschaft mit den „Greifensteinern“.
Diese Greifensteiner waren im 13. Jahrhundert ein nicht gerade unbedeutendes Adelsgeschlecht, das zwischen Herborn, Beilstein und Wetzlar beheimatet war.

Die sogenannten „Greifensteiner Lehen“, zu denen neben dem Zentrum von Daaden mit der Kirche, auch Sassenroth gehörte, fiel im 14. Jahrhundert dann an die Grafen von Nassau.
Sassenroth war nassauisch, im Jahre 1627 gab es dort nur 3 „saynische“ Häuser, wie eine weitere Urkunde bestätigt.
Noch im Jahre 1713, als die neue Eisenerzgrube „Wolfskehl“ erschlossen wurde, kam es zum Streit mit „Nassau“ um Mutungsrechte.

Die Sassenrother waren versippt und verschwägert mit den „Langenbachern“ und den „Maudenern“. Aus diesen 3 Adelsgeschlechter hatte sich nochmals ein Zweig gebildet, die „Langenbacher gen. von Sassenroth“.
Diese Familie hatte ihr „steinernes Haus“, den Hof Sassenroth, am „Sassenrother Weg“
zwischen Weitefeld und Langenbach. Und nach diesem „steinernen Haus“ wurde in der Vergangenheit immer wieder in Sassenroth selbst gesucht.
Tatsächlich gab es dort jedoch nur den „Vogthof“, einen herrschaftlichen Hof mit umfangreichem Besitz.
Aus dem „Kaufbrief über den herrschaftlichen Hof zu Sassenroth an die bisherigen Erbpächter Michael und Johannes Morgenschweiß „ vom 27. Januar des Jahres 1781 geht hervor, dass der Hof über 11 Morgen, 109 Ruthen Ackerland, 132 Ruthen Garten 3 Morgen, 142 Ruthen Wiesen und 122 Morgen, 36 Ruthen Haubergeverfügte.
(1 Morgen=25,5 a)

Die Besitzverhältnisse sowohl der Hofes Sassenroth als auch des Vogthofes lassen sich über mehrere Jahrhunderte zurückverfolgen. Und dabei wird auch verständlich, dass leicht Fehler bei der Zuordnung entstanden sind wenn man bedenkt, dass beispielsweise im Jahre 1600 der Hof Sassenroth im Besitz des Heinrich Scheidt gen. von Weschpfennig und seiner Frau Anna von Selbach gen. Lohe war, während der Vogthof in Sassenroth seinem Schwager, Johann Konrad von Selbach gen. Lang und dessen Frau Agathe Scheidt gen. von Weschpfennig gehörte.

Ungelöst ist bisher noch die Frage, welche der beiden Höfe Balduin von Trier einen Tag vor der Zerstörung von Hohenselbach im Jahre 1352 niederlegte, wie es die „Gesta Treverorum“ beschreibt. Vieles spricht dafür, dass der „Hof Sassenroth“ das Ziel des Trierer Erzbischofs war.

Im Jahre 1741 fiel die alte Grafschaft Sayn-Altenkirchen über das Haus Sachsen-Weimar-Eisenach durch Vererbung an das Haus Brandenburg-Ansbach.
In Ansbach hatte man keine Ahnung von den ererbten Besitzungen und so erhielt der Friedewälder Amtsaktuar Johann Heinrich Lamprecht die Aufgabe, alle Orte der Ämter Friedewald und Freusburg zu beschreiben.
Über Sassenroth ist im Aktenband 30 Nr. 2358 in Koblenz zu lesen :
„Sassenroth hat 9 Räuche, am Dorf fließt die Heller vorbei und hat etwas Weißfische.
Die Einwohner sind Acker- und Bergleute, hat ein Bergwerk die Pfandzeche, gibt aber
keine Ausbeute, sind katholischer Religion und hat eine Eisenhütte auf der Heller, sind
zur Herdorfer herrschaftlichen Mühle gebannt.“

Sassenroth hatte also zu diesem Zeitpunkt nur 9 Wohnhäuser. Die Existenz einer Hütte
ist jedoch in keiner einzigen Urkunde nachgewiesen, wahrscheinlich hatte Lamprecht seine Aufzeichnungen, die zunächst stichwortartig grob niedergeschrieben wurden und die im Original noch heute in Privatbesitz sind, nicht korrekt wiedergegeben.
Es liegt die Vermutung nahe, dass er statt der Hütte eine Lohmühle gemeint hat und in seinen Aufzeichnungen mit Herdorf etwas durcheinander warf.
Als nämlich im Jahre 1837 der Rothgerber Johann Morgenschweiß den Bau einer neuen
und größeren Lohmühle beantragte, war dort von dem alten, noch vorhandenen Lohmühlgebäude die Rede. Die Genehmigung wurde ihm übrigens von der königlichen hohen Regierung in Koblenz erteilt und am 13.3.1838 unterzeichnete Morgenschweiß die vertraglichen Bedingungen zur „Erlangung der Konzession zum Betrieb einer Loh- und Knochenstampfmühle“ an dem Zuleitungsgraben der Sassenrother Wiesen.

Da es zwischen den Ämtern Friedewald und Freusburg immer wieder Streitereien um
Zuständigkeiten im Grenzbereich gab, vorwiegend in Herdorf, wurde auf Veranlassung der Regierung von Ansbach im Jahre 1750 die juristische Grenze zwischen diesen beiden Ämtern schriftlich fixiert.
Gleichzeitig wurde die Grenze zeichnerisch erfasst, wobei auch der Ort Sassenroth mit
allen Gebäuden festgehalten wurde, da die Heller die Grenzlinie bildete.
Die Häuseranzahl hatte sich innerhalb von 10 Jahren verdreifacht, nicht zuletzt Dank
der Neuerschließungen der Grube „Bollenbach“, die übrigens bei Sassenroth und nicht
bei Herdorf lag, wie alte Urkunden bezeugen, sowie die Grubenfelder des „Hunskopfes“
sowie des „Wasserberges“.

Es gibt noch viele weitere, interessante Geschichten über und von Sassenroth zu
erzählen wie zum Beispiel die Lebensgeschichte eines Besitzers des Vogthofes der
eine sehr enge Beziehung zum „deutschen Michel“ hatte.
Vielleicht ist die
750-Jahr Feier im Jahre 2011 ein Anlass, eine komplette Chronik auf
der Basis der vorhandenen Geschichtsquellen der Primärliteratur zu erstellen.

Wappen von Sassenroth





Grund- und Profilriss von der Grube Hellmanskaute



Grundriss Lohmühlgebäude



Ich überspringe jetzt 6 Jahrhunderte und möchte mit dem Jahre 1856 beginnen.

1856 wird die Provinzialstraße Betzdorf - Herdorf gebaut.
1886 wird Sassenroth, daß seit jeher zu Kirchen gehörte der Bürgermeisterei Betzdorf zugeschlagen.
1914 kommen die Katholiken zur katholischen Pfarrgemeinde Herdorf und die Protestanten zur evangelischen Pfarrgemeinde Betzdorf. Dies ist bis zum heutigen Tage so geblieben. Im gleichen Jahr erhält Sassenroth einen eigenen Friedhof.
1955 ändert sich die politische Zuständigkeit und Sassenroth kommt zur Großgemeinde Herdorf
1956 wird auf der Ley mit dem Bau der Fatimakapelle begonnen.
1958 wird das neue Schulgebäude auf den Birken eingeweiht.
1959 erfolgt die Einweihung der Fatimakapelle.
1970 wird die Schule in Sassenroth Bestandteil der Grundschule Herdorf.
1975 errichten die Bürger unsers Ortes eine eigene Totenkapelle.
1981 weht uns der Wind kräftig um die Nase und Sie werden es nicht glauben, unser Dorf Sassenroth bildet zusammen mit Dermbach und Herdorf die Stadt Herdorf. Nun sind wir städtisch!
1982 wird die seit längerer Zeit leerstehende Schule einem anderem Zweck zugeführt. Hier entsteht das Bergbaumuseum des Kreises Altenkirchen. Am 5. September 1986 wird das Bergbaumuseum eröffnet. Es hat in unserer ehemaligen Grundschule Sassenroth die von der Stadt Herdorf dem Kreis kostenlos zur Verfügung gestellt wurde, auf drei Etagen eine feste Bleibe gefunden. Bezeichnenderweise führte unsere ehemalige Schule den Namen der Schutzpatronin der Bergleute, der heiligen Barbara. Aufgaben des Bergbaumuseums soll es sein den Bergbau des heimischen Baues von seinen Anfängen in der La-Tène Zeit, etwa 400 v. Chr. bis zu seinem Niedergang, Mitte der sechziger Jahre im zwanzigsten Jahrhundert zu dokumentieren. Weiter Themenberichte wie die Hüttenindustrie, Haubergswirtschaft, soziale Entwicklung und Struktur, Brauchtum, Bergrecht finden hier ebenfalls ihre Beachtung.

Der Standort Herdorf/Sassenroth ist im Hinblick auf die lange Tradition unseres Ortes als Bergbau- und Hüttengemeinde dem Kreis Altenkirchen nicht schwer gefallen. Noch vor etwa mehr als 40 Jahren war Herdorf ein Zentrum berg- und hüttenmännischen Schaffens. In seinem Bereich gab es einst über 360 Stollen - und Grubenanlagen. Die Wahrzeichen von Bergbau und Hütte sind fast gänzlich aus dem heutigen Stadtbilds verschwunden. Hier und da erinnern noch einige Grubenwagen oder Seilscheiben an die ehemalige Bergbaugemeinde. Soweit noch nicht geschehen empfehle ich allen Lesern einen Besuch des Kreisbergbaumuseums.

Die Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10:00 Uhr bis 12:00 Uhr und 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr; montags geschlossen; Führungen nach Vereinbarung.
Information erteilt: Museumsleiter Achim Heinz, Tel.-Nr./Fax: 02744/6389

Heute zählt unser Ort ca. 480 Einwohner.
Diese kleine Dorfchronik wäre jedoch nicht vollständig würde ich nicht noch kurz die Vereine vorstellen, die den Gemeinschaftsgeist, die Kultur und das Zusammengehörigkeitsgefühl in unserem Ort maßgeblich prägen.
Es sind dies:
der 1879 gegründete MGV Sassenroth der nunmehr mehr als 130 Jahre das kulturelle Leben unseres Stadtteils und das der Stadt Herdorf mitgestaltet und mit trägt. Er wurde durch sein wirken zum Aushängeschild des gesamten Ortes. Chorgesang schafft Gemeinschaftsgeist und fördert das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit.
die 1934 gegründete FF Herdorf, Löschzug Sassenroth die mehr als sieben Jahrzehnte ihren in Not geratenen Mitmenschen in selbstlosen Einsatz unter dem Leitspruch: "Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr!" zu Hilfe eilt.
der 1974 gegründete Angelsportverein Hellertal e.V.
der 1985 gegründete FC Hellertal Sassenroth e.V. mit den Abteilungen Fußball und Gymnastik für Jung und Alt.
der 1996 gegründete Förderverein Freiwillige Feuerwehr Sassenroth e.V.
Außerdem hat Sassenroth seit etlichen Jahren noch einen weiteren, besonderen Höhepunkt zu bieten. An einem Berghang haben die Drachen- und Gleitschirmfreunde Hellertal einen Startplatz für die Anhänger dieses Flugsports eingerichtet, die bei günstigem Wetter über den bewaldeten Hängen beobachtet werden können.
Fluggebiet Sassenroth
Alle Vereine sind in unserm Dorfgemeinschaftsleben nicht mehr weg zu denken. Dem Besucher unseres Ortes bildet sich ein besonders schönes Bild, wenn er die Straße verläßt und einmal diesseits und jenseits der Heller bergan steigt. Malerische Wege die auf halben Berghang oder über die Bergrücken entlang unseres Ortes führen, teils durch Hauberg, teils durch Hochwald, bieten an vielen schönen Punkten einen herrlichen Ausblick ins terrassenförmige abfallende Hellertal. Ruhebänke laden den müden Wanderer ein und zeigen ihm ein Plätzchen, wo er sich satt trinken kann an der Schönheit der Natur. Stille und Unberührtheit laden förmlich zu einer schöpferischen Pause ein.

Natürlich war Sassenroth auch schon im Fernseh

Sendung vom Dienstag, 13.01.2009, 18:45 Uhr SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

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